Eningen,

„Im Krieg hat jeder etwas verloren“ (Zitat von Frau R., Bewohnerin)

In der Eninger Achalmschule beschäftigten sich 13 Schülerinnen und Schüler mit der Kriegszeit. Gerne wollten sie sich mit Zeitzeugen unterhalten, die den Krieg als Jugendliche oder Erwachsene erlebt und erlitten hatten.

In der Eninger Achalmschule beschäftigten sich 13 Schülerinnen und Schüler mit der Kriegszeit. Gerne wollten sie sich mit Zeitzeugen unterhalten, die den Krieg als Jugendliche oder Erwachsene erlebt und erlitten hatten.
Und so kamen sie mit ihrer Lehrerin, Frau Lesch, zu uns, gut vorbereitet mit einer langen Liste von Fragen, einem Blümchen in der Hand und einem herrlichen Marmorkuchen, extra von einem Mädchen für die Bewohner gebacken. Das Eis war schnell gebrochen. Die anfängliche Scheu wich intensiver Aufmerksamkeit und Konzentration, man spürte Betroffenheit und Mitgefühl. In zwei Gruppen erzählten drei Bewohnerinnen von ihren Kriegserlebnissen und antworteten auf interessierte Fragen. Frau G. hatte zu sich in ihr Zimmer eingeladen. Da saßen wir dicht gedrängt bei Getränken und Süßigkeiten.

Aus dem Interview mit Frau G:
Vermissen Sie Ihre Heimat noch immer? Ja, natürlich. Schauen Sie, das war meine Heimat (und sie zeigt auf ein Bild an der Wand, das die Umrisse von Ostpreußen zeigt). Können Sie das verstehen? Und ein Junge nickt. Er war vor einiger Zeit aus Rumänien hier her gezogen. Sein Gesicht sprach Bände.
Hatten Sie schon einmal eine Waffe in der Hand? Nein, das hatte ich nie, höchstens einen Stock.
Wie wurde das KZ dargestellt? Während der Zeit der Internierung in Dänemark gab es keinerlei Kommunikationsmöglichkeiten nach außen. Erst nach dem Krieg erfuhr ich vom KZ. Meine Mutter sprach nie darüber.
Was ist Ihre schlimmste Erinnerung? Als wir, ich war damals 15 Jahre alt, mit dem Treck flüchteten, begleitete uns meine Katze bis zum Ende ihres Reviers. Dann blieb sie sitzen und schaute uns nach. Später kamen wir noch einmal kurz zurück auf den Hof meiner Eltern. Ich fand die Katze erschossen auf dem Mistplatz liegen. Sie hatte die Soldaten, die zwischenzeitlich das Haus besetzten und sich ein Büro eingerichtet hatten, wohl gestört. Mir brach fast das Herz und ich habe das Bild immer noch vor mir.
Konnten Sie während des Krieges in die Schule gehen? Ich habe lediglich eine Volksschulbildung, dabei hätte ich so gerne eine höhere Schule besucht. Leider hatte ich keine Wahl. Dennoch habe ich mit 48 Jahren noch die Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin gemacht und in dem Beruf gearbeitet.
Was war mit Ihrem Vater? Er war im Krieg und galt viele Jahre als vermisst. Neben dem Schmerz über den Verlust hatte es zur Folge, dass meine Mutter keine Kriegswitwenrente beantragen konnte. Sie bekam damals 50,-- DM im Monat und lebte bei mir. Alleine hätte sie nicht leben können.

Für mich war es ein höchst beeindruckender Nachmittag mit den jungen Menschen verschiedenster Nationalität und ihrem großen Interesse und den Bewohnerinnen, die so aufgeschlossen und offen den jungen Menschen begegneten.
Noch haben wir die Gelegenheit, Zeitzeugen zu befragen. Doch die Zeit drängt.
Nachdem sich alle auf dem Gruppenbild verewigen ließen, zogen die Schüler mit ihrer Lehrerin wieder davon. Sie hätten in der nächsten Unterrichtsstunde noch einiges nach zu besprechen gehabt, berichtete sie später.

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